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Amazon Shitstorm: „Ausbeutung, miese Arbeitsbedingungen und Verbindung zur Neo-Nazi-Szene“ [Update]

14. Februar 2013 Allgemein, Branchen News, Featured Keine Kommentare
Amazon Shitstorm: „Ausbeutung, miese Arbeitsbedingungen und Verbindung zur Neo-Nazi-Szene“ [Update]

Wer schon immer mal einen Shitstorm live erleben wollte, hat heute gute Karten. Nach der Ausstrahlung der Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ ist in sozialen Netzwerken ein heftiger Amazon Shitstorm ausgebrochen. Der Umgang des Online-Retailers mit dieser Krise lässt Kunden, Social-Media-Experten und Beobachter nur fassungslos mit dem Kopf schütteln - ganz abgesehen von den in der Reportage angeprangerten Zuständen bei Amazon. Das ist bisher passiert.

Wer schon immer mal einen Social-Media Shitstorm live miterleben wollte, sollte aktuell mal bei Amazon.de auf Facebook vorbei schauen. Dort steppt derzeit gelinde gesagt der Bär. Kommentare wie der folgende gehören noch zu der gemäßigten Sorte:

Hintergrund für den Amazon Shitstorm

Hintergrund für den Amazon Shitstorm ist eine kritische Reportage der ARD mit dem Titel „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“. Viele Nutzer üben auf Facebook und Twitter laut Kritik und bekunden ihre Boykott-Absichten. Kritisiert werden insbesondere Ausbeutung, die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter aus dem EU-Ausland, die vermeintliche Verstrickung einer Security-Firma mit der Neo-Nazi-Szene und menschenunwürdige Unterkünfte. Schwere Vorwürfe, die da im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erhoben werden.

Moralische Ambivalenz bei den Nutzern

„Die Sklaverei ist ja schon ein riesiger Skandal. Aber sich als Weltunternehmen so dumm anzustellen und mit den Nazi Schlägern dem ganzen das Sahnehäubchen aufzusetzten ist schon einmalig“, „Entliked.. für eine solch menschenverachtende Arbeitsbedingung“, „Wieder schnell mit dem Löschen gewesen, das nenn man Kritikunfähigkeit. Bekommt der löscher eigentlich auch nur 8,52 € pro Stunde?“ Die Kritik auf der Fanpage von Amazon.de ist zahlreich, laut und manchmal vergreifen sich die Nutzer auch im Ton - dennoch hätte der Konzern mit dieser Reaktion rechnen müssen.

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Viele "Fans" fordern eine Stellungnahme von Amazon.de - bisher ohne Erfolg.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen auch in vielen anderen Unternehmen zur Tagesordnung gehören. Egal ob billigst hergestellte Elektronikomponenten oder Kleidung - nur wenige Retailer haben eine völlig weiße Weste. Das hilft Amazon natürlich in diesem Fall wenig, da jeder zuerst vor der eigenen Tür kehren muss.

Amazon Shitstorm war für den Konzern absehbar

Wie Amazon mit dem Shitstorm bisher umgegangen beziehungsweise eben nicht umgegangen ist, wirft einige Fragen auf. Warum hat Amazon.de nicht schon in der Nacht reagiert? Wusste man nicht, dass der TV-Beitrag gesendet wird, oder hat man einfach die Reaktionen unterschätzt, die auf eine derartige Reportage zwingend folgen mussten? Die Facebook-Seite von Amazon.de ist weiterhin ohne Einschränkungen nutzbar. Ob und wann Amazon.de die Seite für Kommentare schließt und sich öffentlich äußert bleibt abzuwarten.

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Krisenmanagement nicht vorhanden. Manche Nutzer monieren sogar, dass Beiträge gelöscht wurden.

Vorerst geht es auf der Facebook-Fanpage von Amazon.de weiter, als sei nichts geschehen. Die empörten Kommentare werden im besten Fall einfach ignoriert. Manche Nutzer beschweren sich darüber hinaus, dass ihre Kommentare gelöscht wurden. Dies ist so zwar für uns nicht nachzuvollziehen - klar ist aber, dass bisher eine Moderation oder Antworten der Zuständigen auf Facebook ausgeblieben sind.

Auf telefonische Anfrage bei der Presseabteilung von Amazon.de wurden wir gebeten, unser Anliegen per Mail zu senden. Bisher haben wir noch keine Antwort von Amazon erhalten - über eine eventuelle Stellungnahme werden wir in einem Update dieses Artikels berichten.

[Update 16.50 Uhr: Mittlerweile hat Amazon per E-Mail auf unsere Anfrage reagiert. Hier die Stellungnahme von Amazon:

Über 7.700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein. Diese Mitarbeiter unterstützen uns, um die erhöhte Anzahl an Kundenbestellungen in Spitzenzeiten zu bewältigen. Gleichzeitig haben wir dadurch die Möglichkeit, potenzielle neue langfristige Mitarbeiter kennenzulernen und gemäß unserem zukünftigen Wachstum einzustellen. In absoluten Spitzenzeiten arbeiten wir darüber hinaus mit Zeitarbeitsfirmen zusammen.

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stunden-Woche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.

Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter uns über Verbesserungsmöglichkeiten im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung informieren, prüfen wir dies umgehend.

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern - unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten.]

Bildnachweis für die News-Übersicht: quinn.anya  / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA 

Was haltet ihr von den Vorwürfen und besonders von dem Umgang des Unternehmens mit diesem Shitstorm?

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